Ein Grad pro Kilometer - das Temperatur rast scheinbar in die Höhe, als wir das legendäre Death Valley – zu deutsch: Tal des Todes - erreicht haben. Schilder warnen vor Überhitzung – sowohl die Menschen, als auch ihre Autos. Drei Autostunden von Los Angeles und zwei von Las Vegas entfernt liegt dieses einmalige Naturparadies. Seinen Namen trägt der Nationalpark eigentlich zu Unrecht, was ein Blick in die bewegte Historie des Tals deutlich macht. Das sagenumwobene Tal des Todes im US-Bundesstaat Kalifornien ist extrem in jeder Hinsicht.
Der Goldrausch von 1848
Kalifornien, 1848: Ein Handwerker findet ein paar Bröckchen Gold in einem kalifornischen Fluss und löst damit eine der größten Völkerwanderungen der Geschichte aus: den Gold Rush. Alle wollen gen Westen, aber auf dem Weg gilt es die Berge der Sierra Nevada zu überwinden - im Winter unmöglich. Einer der Wagenzüge nimmt 1849 eine Abkürzung und verlässt den bekannten Weg. Durch den beschwerlichen Umweg durch die Wüste in einem tiefen Tal retten sich mehrere Familien vor einem Schneesturm und dem sicheren Kältetod. Gerüchte um den Tod der Pioniere geben dieser Wüste ihren Namen: Tal des Todes.
Ein Wüste mit Legende: Death Valley Scotty
Grapevine Canyon, 1932: “Kein Mondlicht der Welt kann sich mit dem in unserem Tal vergleichen”, schwärmt Walter Scott, der als “Death Valley Scotty” in die Geschichte eingehen soll. Der Abenteurer, der den ganzen Wilden Westen bereist hatte, verliebt sich bei seinem ersten Besuch in diese ungezügelte Landschaft, bleibt und schafft es Investoren an Land zu ziehen, die auf Goldfunde hoffe. Mit deren Geld baut sich der komischer Kauz, ein ebenso seltsames Schloss, das später Museum und Besuchermagnet sein wird: Ein großzügiges Anwesen an der Nordspitze des Death Valley – Scotty’s Castle.
Der tiefste Punkt des Kontinents
Furnace Creek, 2004: Knallbunt gefärbte Gesteinsformationen, surreale Mondlandschaften, ausgetrocknete Salzseen und grandiose Aussichten liegen hinter uns, als wir in Furnace Creek ankommen, dem Besucherzentrum des Nationalparks. Der Ranger empfiehlt den nahe gelegenen Zabriskie Point: Die fast schon unheimliche, absolute Stille über den verschiedenfarbigen Bergketten wird nur vom Wind übertönt – es sind oxidierende Metalle wie Kupfer und Eisen, die die Gesteine einfärben.
Steine wandern wie von Geisterhand
Von Dante’s View, einem weiteren Aussichtspunkt, ist auch der tiefste Ort Amerikas zu sehen: der ausgetrocknete Salzsee Badwater liegt 85,5 Meter unter dem Meeresspiegel, der Boden des Bassins besteht aus vier Quadratmeter großen, sechseckig aufgebrochenen Erdplatten - der einstige See ist vor 3000 Jahren ausgetrocknet. Das Phänomen der “Racetracks”, wandernder Steine, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Die Felsbrocken bewegen sich auf ebenem Grund anscheinend von selbst meterweit fort und hinterlassen dabei deutliche Schleifspuren. Wie sie sich bewegen wurde bisher weder gefilmt noch beobachtet. Die Theorie geht davon aus, dass der Boden des Racetrack Playa, eines weiteren ausgetrockneten Salzsees bei Regen so glitschig wird, dass der Wind die Felsen beweget.
Star Wars und des Teufels Golfplatz
“The Devils Golf Course” ist kein teuflisch verzwickter Golfplatz sondern ein Feld zerklüfteter, spitzer Salzkristall-Formationen. Vorsicht beim Hineinlaufen: die Zacken sind tatsächlich teuflisch scharfkantig. Ein paar Kilometer weiter warten die 200 Meter hohen Mesquite Sand Dunes. In den Quarzsand-Dünen wurden Teile des Science-Fiction-Spektakels “Star Wars” gedreht. Auch Ubehebe Crater ist einen Besuch wert: Ein 230 Meter tiefer und über 6000 Jahre alter Vulkankrater.Geologische ExtrembedingungenDas Death Valley ist ein Ort der Extreme – historisch, geologisch, klimatisch. Seine tiefste Stelle liegt knapp 86 Meter unter, die höchste Stelle mehr als 3400 Meter über dem Meeresspiegel. Im Sommer wird es mit bis zu 57 Grad extrem heiß in dem 13 Quadtratkilometer großen Nationalpark, im Winter, Frühjahr und Herbst ist es angenehm mild. Die einmaligen Ergebnisse geologischer Extrembedingungen sind heute ein beliebtes und außergewöhnliches Urlaubsziel.
Weitere Informationen: Das Furnace Creek Visitor Center & Museum ist ganzjährig täglich geöffnet, ebenso wie Scotty’s Castle & The Gas House Museum – jeweils von 8 bis 18 Uhr. Die freundlichen Ranger im Besucherzentrum organisieren geführte Ausflüge und Wanderungen und halten Karten und Informationen bereit. Die offizielle Webseite des Nationalparks: www.nps.gov/deva. Beste Reisezeit: Von Oktober bis März – der Sommer ist zu heiß. Es gibt zwei Hotels im Nationalpark, das luxuriöse Furnace Creek Inn (mit Golfplatz) und die einfachere Furnace Creek Ranch, Reservierungen sind empfohlen: www.furnacecreekresort.com.