Traumjob Reisejounalist?

16 02 2009

Gerade habe ich mein Projekt abgegeben, für das ich weltweit - bzw. in allen relevanten Destinationen auf dem Reisemarkt Themen recherchiert habe. Immer wieder hört man dann wie toll das doch sein müsse als reisender Autor zu arbeiten. Ha! Weit gefehlt. Der Reisejournalist an sich lebt mit wenig Geld, weil seine Texte nicht gut bezahlt werden oder gerade die Reisekosten abdecken. Darf dann auch mal umsonst in den tollen Hotels wohnen, weil er sie selber nicht bezahlen könnte. Klappert im Hochsommer alle Adressen aus seinem Buch ab. Vom Strand sieht er nicht viel, auch das Rumliegen an sich ist nicht üblich, denn es ist wirkliche Arbeit. Alternative: Er lässt sich auf kostenlosen Pressereisen täglich mindestens zwölf, eher 16 Stunden von Hotelbesichtigung zu Museum zu Außenhandelskammer zu Safari zu Hotelbesichtigung zu Dinner karren. Die Fotografen können sich mal kurz vom Acker machen, weil sie brauchen ja Motive. Die Schreiberlinge MÜSSEN Kamele reiten, Ski fahren, Hubschrauber fliegen, Kutsche fahren, ins Theater, Raften im eiskalten Inn, Canyoning in beängstigenden Schluchten absolvieren, Ayurveda-Kuren mitmachen, Fünf-Gang-Menüs verschlingen, mit dem Hoteldirektor Champagner trinken bis eins and so on - je nachdem, was ein Ort zu bieten hat! Gut, okay, zwischendrin gibt’s Highlights und man lernt eine Destination wirklich kennen. Aber dem Wesen des Urlaubs - die Freiheit nur das zu tun, was man will - wird dieser Job nicht gerecht. Da arbeite ich lieber am Schreibtisch, auch wenn es draußen Schnee regnet und halte die Nase am Wochenende am Starnberger See in den Wind. Oder ich reise privat und mache es wie die jene Reisejournalisten, die den Job aus Liebhaberei betreiben: ich beschreibe, was ich ohnehin sehe.


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