Gran Canaria: Darum ist es trotzdem schön
1 04 2001Auf dem “kleinen Kontinent” finden Touristen fernab der Strände auch Inselromantik und landschaftliche Kontraste. Das wichtigste vorab: Auf Gran Canaria herrscht Sonnenscheingarantie, denn die Insel liegt ungefähr auf dem gleichen Breitengrad wie Miami und die Sahara. Das ganzjährig ideale Urlaubswetter hat die Insel zum Paradies für Pauschalreisende gemacht. Auch heute noch ist die drittgrößte Insel der Kanaren zwölf Monate im Jahr ausgebucht – riesige Hotels und Massentourismus müssen Sonnenhungrige allerdings in Kauf nehmen. Für Individualisten empfiehlt sich ein Trip nach Gran Canaria nicht – der Tourismus hat die Insel fest in der Hand. Wer ein authentisches einheimisches Fischlokal besucht, wird auch im abgelegensten Dorf deutsche und englische Versionen der Speisekarte finden. In Puerto Rico sind die Menüfolgen gleich in fünf oder sechs Sprachen erhältlich. Kein Wunder, die Hotelanlagen, die sich hier an der Atlantikküste auftürmen, sind ausgebucht mit Europäern jeder Couleur. Platz ist für alle. Hotels mit 2000 Apartments und Zimmern reihen sich aneinander; die luxuriösen liegen direkt am Meer, mit paradiesischen Gartenanlagen und Poolanlagen. Die günstigeren dagegen türmen sich ein Stück weiter im Landesinneren auf. Dort müssen Urlauber auf einige Privilegien verzichten, wie etwa auf Privatstrände. Steinige Strände und meterhohe Wellen finden Gäste hier nicht – die Bucht, die sich die Luxus-Hotels Steigenberger La Canaria, das Anfi del Mar und das Aquamarina teilen, wurde kurzerhand mit Tonnen von feinstem Sand in einen karibischen Traumstrand verwandelt. Alle anderen pilgern in die einzigartige Wüstenlandschaft von Maspalomas. Las Dunas, eine rund zehn Kilometer lange Dünenkolonie, ist schon seit Jahrhunderten auf Wanderschaft entlang der Atlantik-Küste. Täglich pilgern Touristenkolonnen durch den puderweichen Sand, klettern die goldenen Kämme hoch, lassen sich wieder runterrollen. Andere aber ziehen sich in die windgeschützten Mulden zurück und genießen die Sonne – der ständige Wind trägt alle Geräusche weg, vom Tumult am Strand ist nicht viel zu merken. Die goldene Wüstenlandschaft gehört zu Europas beliebtesten Badestränden. Massen von FKK-Anhängern sonnen sich und springen in den kühlen Atlantik. Eine nicht enden wollende Menschenkette wandert derweilen am Strand entlang. Der Fußmarsch durch diese wunderschöne Strandkulisse ist ein Klassiker unter den Inselausflügen. Wer genug hat von der Geselligkeit, fährt ins Landesinnere. Die ist mancherorts nicht ganz ungefährlich: Enge Haarnadelkurven führen in die felsige Berglandschaft, die sich im Norden Gran Canarias erhebt. Die Serpentinen schlängeln sich in schwindelerregenden Höhen über karge Granitfelsen. Weit unten sieht man bizarre Schluchten. Leitplanken gibt es nicht, dafür allerdings wird die wilde Strecke mit atemberaubenden Ausblicken aus 2000 Metern Höhe belohnt. In kleinen Dörfern halten Einheimische Siesta am Stra-ßenrand, kleine Destillerien bieten “Guindillo”, den typischen hochprozentigen Kirschlikör an, und eine Serpentine weiter durchbricht plötzlich ein Tal mit subtropischer Vegetation, Palmen und Zitronenhainen die Granitfelsen. Eine Fahrt vom trockenen Süden in den feuchten Norden hinterlässt garantiert unvergessliche Eindrücke. Die Insel wird dank ihrer abwechslungsreichen Landschaft auch der “kleine Kontinent” genannt. Vormittags am künstlich-karibischen Sandstrand, nachmittags ein Wüstenspaziergang und danach eine Fahrt zum Sonnenuntergang mit Bergpanorama – Gran Canaria bietet land-schaftlich Kontraste und quirliges Inselleben. Vor allem in den achtziger Jahren war die Insel Traumziel wahrer Touristenmassen. Abgewohnte Hotelanlagen aus den vergangenen Jahren müssen Urlauber deshalb in Kauf nehmen, genau wie riesige luxuriöse Neubauten und den Massentourismus. Die Belohnung dafür: Endlose Sonnenstunden, kilometerlange Strände und gut versteckt auch Insel-Romantik und Einsamkeit.
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